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Japan 2006 

Mein Flugtag von Wien nach Tôkyô (lt. Datum waren es ja zwei Tage) verlief viel problemloser als von mir erwartet. Das Zurechtfinden in den touristischen Gebieten von Tôkyô ist einfach und die Lage des Hotels ist sehr gut.
Also machte ich gleich nach der Ankunft einen Spaziergang in den östlichen Gärten des kaiserlichen Palastes, dessen Eingangstor (eigentlich eines von dreien) gegenüber dem Hotel liegt. Da das Wetter schon sehr frühlingshaft war, dachten sich auch einige Einwohner der Stadt, dass die Mittagspause hier entspannend wirken kann. Für japanische Verhältnisse war wahrscheinlich eher wenig los, aber für einen Mitteleuropäer waren es schon genug Leute, um noch etwas von dem Garten geniessen zu können - schliesslich ist Dienstag ja ein Arbeitstag.

Tôkyô, 04.04.2006

Jetzt bin ich schon seit einigen Tagen im östlichsten aller westlichen Länder. Oft verschwimmt hier die Grenze zwischen den gewohnten Lebensweisen Europas und Südostasiens (eigentlich ja Ostasien). Der technische Standard ist gewohnt hoch (nicht so viel höher wie man oft glauben mag) und die Lebensweise der Menschen scheint(!) gar nicht so unähnlich - man hetzt durch die Strassen zum nächsten Termin oder sitzt im um die Ecke liegenden Cafe und schaut dem Treiben auf der Strasse zu - soweit das möglich ist, denn oft sind diese in unterirdischen Passagen angebracht. Überhaupt ist sehr viel unter der Erde, ob das Einkaufszentren oder Essensmeilen sind, ganz egal meistens befinden sie sich auf 1BF oder 2BF, d.h. unter der Erde. Überhaupt ist dieses Land ein wahres Konsummekka, denn bei jeder etwas grösseren U-Bahn-Station befindet sich eine kleinere bis mittlere Einkaufsstrasse und viele grosse Bahnhöfe sehen so und so aus, als wären sie (unterirdische) Einkaufzentren mit (darüberliegenden) Gleiszugängen.

Dieses unterirdische Dasein von Gehwegen ist bei den gegenwärtigen Wetterbedingungen - sprich Regen - eine Erleichterung, denn man kann wie z.B. in Himeji einen Kilometer überdacht vom Bahnhof bis fast zum Eingang der Burg laufen - falls man den Eingang findet, denn von der Touristen Info wird man die „Hauptstrasse“ entlang geschickt.

Angefangen hat ja alles bei schönem Wetter in Tôkyô wo ich nach der Ankunft noch einen halben Tag Zeit hatte den östlichen Garten des kaiserlichen Palasts zu durchwandern und bei dem Wetter war ich überraschenderweise nicht der einzige. Als ich am nächsten Tag aus den Fenster meines Zimmer schaute, von wo ich auf den imperialen Garten blickte, wirkte er nicht mehr so schön, den trotz der blühenden Kirschbäume war der Regen das Hauptmerkmal der Aussicht. Leider ist Japen nicht gerade ein Land das viele Stätten von touristischem Interesse zu bieten hat, die nicht im Freien zu besichtigen sind und das gilt auch für die Hauptstadt. Ich versuchte noch das beste daraus zu machen und schaute mir das Nationalmuseum an, aber dorthin muss man durch den Ueno-Park und der ist nicht ein kleiner Park zwischen den Häuserblöcken, wie es in Japan oft üblich ist. Der Meiji Jingu der zu den wichtigsten Shintoschreinen Tôkyôs zählt, obwohl er sehr jung ist (1958 wiederaufgebaut), liegt in einem 700.000 m²  grossen Park (im Vergleich die Josefstadt hat 1,08 km²). Doch der Weg durch diese Grünoase inmitten einer Großstadt - Regen hin oder her - war ein schönes Erlebnis.

Da der nächste Tag versprach etwas besser zu werden (und das am Morgen auch zu halten schien) entschloss ich mich einen Ausflug zum Hakone Nationalpark zu unternehmen. Leider spielte das Wetter nichts ganz mit, aber zum regenen hat es (fast) nicht begonnen. Der National Park ist gut besucht (20 Mio. Besucher im Jahr), insbesondere von Gruppen älterer japanischer Touristen und auf diese ist auch das gesamte Umfeld ausgerichtet. Die vulkanische Natur der Gegend ist noch manchmal zu erkennen und der Kratersee (heute ist von dem Vulkan nur mehr wenig zu erkennen) ist nett  gelegen (der berühmte Blick zum Fuji-san war mir nicht vergönnt).

Danach schob ich einen verregnten Tempeltag ein - klingt ein wenig fad, war es aber nicht. Am darauffolgenden Tag hatte ich das Glück, dass bei einem Tempel in Asakusa (ein Stadtteil von Tôkyô) gerade eine Art Festtag war und somit die Tempelanlage von Leben erfüllt. Der sehr moderne Stadtteil Obaida stellte hierzu einen netten, wenn auch nicht weniger bevölkerten Kontrast dar - hier entsteht ein auf Unterhaltung bzw. bauliche Auffälligkeit orientiertes Gebiet.

Da es an der Zeit war Tôkyô zu verlassen, auch aus finanziellen Gründen, denn hier zahlt man für ein Abendessen ohne alkoholische Getränke schon einmal € 40-50 pro Person - im Hotel eher das doppelte, das günstigste Dinner war ¥ 8.000 (100g Rindersteak und Beilage mit Suppe und Kaffee exkl. Getränke für ca. € 57) - einen Luxus denn zu leisten ich mir nicht wirklich gönnen wollte, denn das Frühstücksbuffet war exzellent und so Kleinigkeiten vom Supermarkt oder Starbucks (der günstiger ist als bei uns) o. ä. machen das Leben erträglich, fuhr ich nach Kyôto, wo das Wetter dann auch nicht besser sein sollte.

Kyôto ist mit knapp der Einwohnerzahl Wiens die siebtgrößte Stadt Japans und die alte Hauptstadt der Landes (vom 8. bis ins 19. Jahrhundert). Sie ist dadurch wohl auch das Zentrum der Traditionen, der Kirschblüte und der Touristen im Ruhestandsalter, die sich das gerne anschauen. Ich habe wirklich viele ältere Leute dabei beobachtet, wie sie vor schönen Tempeln und Schreinen nur darauf achteten vor den Kirschbäumen zu posieren, ohne auch nur das geringste Interesse an den Details der teilweise sehr schönen Gebäude zu zeigen. Am sichersten vor Menschenmassen war man dadurch, dass man sich zwei Minuten vom überall beschriebenen Highlight wegbewegte - leider gab es dort oft auch nichts zu sehen. Kyôto ist die Stadt, in der ich dann der Tempel und Kirchbäume auch etwas überdrüssig wurde - keine Plätzchen wo nicht ein Baum mit rosa Blüten stand und die eher faden Strassen waren nur manchmal von ganz netten  Tempeln unterbrochen. Es handelt sich um eine sehenswerte Stadt, doch sollte man die Dosis eher reduzieren, was ich dann auch schnell tat und weiter nach Hakata fuhr.

In Fukuoka (der Name des zentralen Stadtteils ist Hakata, und so heisst der Bahnhof noch heute) ist ein Teil des neuen Japans daheim, obwohl hier einige der ältesten Tempel des Landes stehen. Die Stadt ist bei uns eher unbekannt, aber ist in Japan eine der am stärksten wachsenden - hier befindet sich das modernste Kino, das modernste Baseball-Stadium (die beliebteste Sportart des Landes) usw. Aber auch hier hat das Wetter keinen für mich modernen Ansatz gezeigt und blieb den Wolken und dem Regen zugeneigt, dadurch wirkte die Stadt auf mich eher farblos.

Auf dem Weg nach Ôsaka machte ich noch einen Stopp in Himeji, das für seine Burg berühmt ist. Internationale Aufmerksamkeit erlangte die Anlage erst durch Akira Kurosawas Film Ran und wurde bald darauf zum UNESCO-Weltkulturerbe (etwas das bereits vielen Stätten in Kyôto passierte). Trotz permanenten Regens wirkte die Burg faszinierend und auch hier merkte man die Kirschblütenzeit - es ist wirklich schwer ein Bild ohne Kirschblüte zu fotografieren.

Ôsaka, 16.04.2006

Bisher verlief die Reise doch eher etwas anstrengender als gedacht, denn irgendwie schaffe ich es nicht eine Ruhepause einzuplanen, was natürlich auch an den Wetterverhältnissen liegt. Nach Ôsaka - einer eher modernen Großstadt und ein sehr jungen und schönen Burg im Zentrum - besuchte ich noch Nara, das wunderschöne Tempel und Schreine zu bieten hat.

Die Fahrt nach Nagano und Umgebung hätte ich mir sparen können, der in der Reiseliteratur so umschwärmte Tempel Zenko-ji ist meiner Meinung keine echte Perle der japanischen Tempelarchitektur und die Reste des Palasts von Matsushiro sind wahrlich nur Reste - echt fad.

Von Tôkyô aus machte ich noch Tagesausflüge nach Kamakura und Nikko. Kamakura ist wieder eine Stadt voll von Tempeln, die hier aber wunderschön liegen und im Nikko Nationalpark befindet sich eine Tempelanlage vor den Grabmälern der ersten wichtigen Shogune der Familie Tokugawa, die das Land über längere Zeit regierten. Die üppige Verzierung der Anlagen und auch die Zurschaustellung von Macht  und Einfluss waren dann doch etwas zu viel für meinen Geschmack (fast ein japanischer Rokkoko).

Den letzten Tag brachte in Tôkyô selber zu und ging im Stadtviertel Ginza, dem Einkaufsmekka der Metropole, ein wenig herum (z.B. SONY-Showroom auf 5 Stockwerken).

Sydney, 26.04.2006 

Australien 2006

Jetzt habe ich es endlich geschafft den fünften (und letzten der einfach zu bereisenden Kontinente) zu betreten.

Als ich hier in Sydney ankam war ich mir erst gar nicht so sicher, ob ich wirklich Japan verlasse habe. Erstens war das Wetter ähnlich, mit Temperaturen etwas unter 20 °C und Schauern, und zweitens neigen moderne Großstädte so und so dazu einander zu gleichen. Das Hotel in Darling Harbour befindet sich neben Chinatown, das Lokal nebenan hat den Namen Ramen (wie eine Richtung der japanischen Küche und bietet auch diese an), der Frisör in der nächsten Gasse heisst Shibuya, wie ein Stadtteil Tôkyôs und hat dementsprechende Kundschaft, das erste touristische Highlight, das ich dann zu sehen bekam war eine Pagode - ok, die ist chinesisch, aber das sieht man nicht so leicht. Aber ein paar Unterschiede gibt es dann schon - die Leute laufen in Shorts herum, tragen eher selten geschlossenes Schuhwerken und die Toiletten wirken technologisch rückständig.
Was mich verwundert ist der Bevölkerungsmix hier in Sydney, von Asiaten, Indern und Europären (gemeint ist die vermeintliche Abstammung) - sind ja alle bzw. viele Australier - nur fällt es auf, dass die Leute, die im Kaffehaus sitzen und etwas konsumieren meist europäischer Abstammung sind und die, die für das Service sorgen asiatischer oder indischer. Aboriginals sind eine Rarität und wenn sieht man einen auf der Strasse sitzen und nach Geld bitten - und Didg-spielende gibt´s (selten) auch.

Nun geht’s dann ab in die Berglandschaften Australiens - Blue Mountains und wahrscheinlich auch Snowy Mountains - und ich hoffe dass das Wetter hier ein wenig mitspielt.

Sydney, 26.04.2006

Nun bin ich zwei Wochen hier in Australien und sollte mir langsam über die weitere Reiseroute Gedanken machen, denn hier in Victoria und vorher in New South Wales hat das regnerische Wetter den Kontinent fest in der Hand. Es regnet nicht andauernd, sondern häufig handelt es sich nur um Schauer (teilw. auch Hagel), aber zum Reisen ist es wenig optimal.

In Sydney fühlte ich mich trotz der äusseren Umstände ganz wohl - was auch am sehr gut gelegenen Quartier lag. Die  Stadt bietet einen schönen Mix aus viktorianischen bzw. kolonialen Gebäuden und modernen Hochhäusern und eignet sich als Einstieg ganz gut. Da das Abholen des Autos (vom Verleiher kurz „The Beast“ genannt) auch Zeit benötigte (und erst das Suchen eines Parkplatzes) verbrachte ich nicht viel Zeit mit Besichtigungen.

Danach verschlug es mich in Australiens Berge: Blue Mountains, Mt. Kosciuszku, Snowy Mountains - mit anderen Worten Great Dividing Range. Und hier muss ich allen Recht geben, die mir schon vorher sagten, dass so ein Ungetüm von Fahrzeug gänzlich unnötig sei. Die Strassen sind so gut wie alle asphaltiert (zumindest die, die man als Tourist befährt) und vom Kurvenradius eher auf normale PKWs ausgelegt oder Geländefahrzeuge mit kurzer Baulänge. Das Fahren ist leicht anstrengend und übernachten im Auto bei unter 10 °C und Regen trifft sicher nicht meine Vorstellung von Urlaub - sprich ich nutzte es bisher nur selten und bevorzugte Motels oder wie hier in Melbourne ein Apartment. Ich hoffe dass im späteren Verlauf der Reise die Entscheidung zu dem Monstergefährt sich als richtig erweist.

Die Berglandschaft der Blue Mountains ist von einem Regenwald (muss nicht immer mit Hitze verbunden sein) geprägt und von den Aussichtspunkten blickt man auf eine herrliche Landschaft. Zum Mt. Kosciuszku kann ich nur so viel sagen, dass er da zu sein scheint, denn am Weg zum Gipfel hatte der Nebel die Sicht auf ca. 20-30 Meter reduziert - und das bei Temperaturen von 4 °C und einer Windgeschwindigkeit von 30 km/h was sich anfühlt wie -5 °C (die Zahlen stammen von der dortigen Station, aber ich glaube sie gerne). Die Snowy Mountains sind ein schöner Gebirgszug mit vielen Möglichkeiten zum Skifahren (so ab Juni) und haben einige nette Wanderwege zu bieten.Via dem lieben Ort Bright, dessen Bäume sich in allen Herbstfarben zeigen (besonders hübsch wenn sie von der Sonne angeleuchtet worden wären), fuhr ich durch eine Landschaft, die mich teilweise sehr an Neuseeland erinnerte, zum Wilsons Prom National Park. Dieser Park bietet schöne Tracks entlang der Berge (max. 558 m) und der Küste - doch dort hat mich der Regen mitten auf dem Weg voll erwischt und ich konnte nur mehr zurück zum Auto. Aber ich habe dort meine ersten Emus und Kängurus gesehen. Die Emus sind der Strasse entlang spaziert und das Känguru hüpfte vor dem Auto aus den Büschen in die Büsche. Am Wanderweg konnte ich bevor es zu schütten begann noch ein Wallaby beobachten. Noch freue ich mich ja über jede Tiersichtung - ausser den häufigen Kadavern von angefahrenen Tieren am Strassenrand natürlich.

Und so kam ich bei strömenden Regen in Melbourne an und geriet in den Freitagnachmittagsstau - meine Laune war am Nullpunkt angelangt. Doch mittlerweile sehe ich es nicht mehr so eng und genoss und geniesse die Stadt am Fluss Yarra (vom Hafen bekommt man eher nichts mit). Die Stadt ist eine schöne architektonische Mischung aus 2½ Jahrhunderten. Der botanische Garten, das Aquarium und der Zoo eine nette Abwechslung. Die Australier befassen sich am Wochenende hauptsächlich mit Trinken und Australian Rules Football - in Kombination führt dies leider zu eher untypischer Aggresivität und typischer Lautstärke - ich dachte in Japan bereits, dass die Menschen relativ laut sind, aber da kannte ich die australischen Städter noch nicht.


Als nächstes geht es entlang der Great Ocean Road Richtung Grampians und weiter nach Norden - aber das mache ich noch sehr abhängig vom Wetter. Im schlimmsten Fall habe ich die Twelve Apostels halt nicht gesehen - ok, zum Aussichtspunkt kann ich ja trotzdem fahren.

Das nächste Mal werde ich wahrscheinlich (hoffentlich) über die unausstehliche Hitze, die schlechten Strassen  und die ruhige Menschenleere jammern - Internet Access Points sind hier sehr selten.

 Melbourne, 08.05.2006 


Ich habe es nun endlich geschafft dem Regen zu entkommen, zwar war mir das in Victoria nicht mehr vergönnt, aber Southern Australia und das Northern Territory zeigen sich von einer schönen Seite - nicht immer ohne Wolken, aber regenfrei. Die von mir etwas befürchtete Hitze blieb bisher aus und in der Nacht wird es kühl bis kalt (ca. 5-10 °C) und das wirkt nach einem warmen Herbsttag in der Wüste doch etwas fröstelnd. Mit anderen Worten ein beheizbares Zimmer ist wesentlich komfortabler als ein kaltes Auto und das macht die Reise doch etwas kostenintensiver als ich dachte,  was aber wirklich ins Geld geht sind die Treibstoffkosten, insbesondere da hier im Zentrum Sprit sehr teuer ist (für ein Liter Diesel bis € 1,20). Ich gehe davon aus, das dies in Western Australia dann auch nicht besser sein wird.

Da ich das einleitende Geraunze nun erledigt habe nun ein paar Informationen zu den vergangenen drei Wochen.

Nach Melbourne fuhr ich zum Port Campbell National Park, dessen berühmtestes Highlight im Meer stehende Felsen sind - mit klingenden Namen wie The Twelve Apostels. Wie erwartet fand ich diese im Regen weniger attraktiv, aber selbst da wirken sie interessant. Doch am Morgen des nächsten Tages kam sogar etwas Sonne heraus und so fuhr ich halt zurück und schaute es mir bei (etwas) besserem Wetter an. Nach diesem Abstecher zum Meer fuhr ich wieder ins Landesinnere. Der Grampians National Park wurde im Jänner von einem Feuer überrollt, aber mittlerweile hat sich die Natur begonnen zu erholen und an den verkohlten Stämmen und Ästen spriessen wieder grüne Blätter. Die Gegend um Halls Gap, der als Hauptort für den Nationalpark gilt, ist von eher steil aufragenden Felsen geringer Höhe geprägt. Eine schöne Wandergegend, wo ich auch drei der eher kleineren Tracks entlang marschierte (Mehrtageswanderungen sind natürlich auch möglich).

Danach fuhr ich weiter nach Mildura an den Murray-River, eine herrliche Gegend für gemütliche Hausbootfahrten und touristisch ist hier auch alles auf Personen im Ruhestand oder Familien ausgelegt, was mich dann doch eher weniger interessierte, da ich ja zum Mungo National Park wollte, der im Land weniger bekannt und dadurch auch eher selten besucht ist. Hier gibt es meist versteinerte Sanddünen zu sehen, die sich in einer Linie durch die Landschaft ziehen, wodurch von den chinesischen Einwanderern der Name „The Great Wall of China“ vergeben wurde - ok so riesig ist es nun wieder auch nicht, aber bei speziellen Lichtkonstellationen wirkt es schon ein wenig wie eine Mauer.

Adelaide, das dann mehr oder weniger auf dem Weg lag wirkt eher kleinstädtisch im Vergleich zu Sydney und Melbourne und ich verbrachte hier auch nicht sehr viel Zeit bevor es wieder in die bergige Landschaft ging - dem Flinders Ranges National Park. Um genau zu sein der Gegend um Wilpena, die nur einen kleinen Teil des Parks darstellt, aber auch die einzige die leicht zu erreichen ist und auch kurze Wanderungen für Menschen, die nicht in hochalpinen Gegenden daheim sein, bietet. Die Landschaft der Flinders Ranges ist wirklich sehenswert, aber wenn man die überall gezeigten Fotos betrachtet, gehört sie ebenfalls zu den Gebieten, die man am besten von einem Helikopter, Flugzeug oder Ballon aus betrachtet - was ich dann aber auch nicht gemacht habe und mich mit den Aussichtspunkten auf den Wanderwegen zufrieden gab.

Jetzt ging es dann wirklich in das Zentrum des Landes. Die erste Station war Cobber Pedy. Der Ort ist schwer zu beschreiben, den es gibt nicht viel zu sehen, ausser Staub und Opale bzw. die Abbaustätten der Opale. Hier dreht sich alles um den Abbau und Verkauf von Opalen und das meiste davon findet unter der Erde statt. Mein Hotelzimmer war unterirdisch, Kirchen sind unter der Erde, Büchergeschäfte und natürlich die unzähligen Opalshops, wo wenig erklärt wird, aber versucht viel Ware an den Kunden zu bringen. Nett zu sehen sind auch die Kegel aus Sand, die entstehen, wenn die Löcher für den Opalabbau in den Boden gebohrt werden.

Nun ging es zu wohl bekanntesten Ort Australiens, dem Uluru (besser bekannt als Ayers Rock). Der monolitische Fels mitten in einer (fast) ebenen Landschaft mit seiner roten Farbe ist ein Heiligtum der Anangu-Aboriginals, was aufgrund seiner Form, Farbe und seiner auffälligen Erscheinung sehr verständlich ist. Er zeiht eine Masse von Touristen an und das Ayers Rock Resort (der einzige Platz, wo man in der Gegend übernachten kann) ist ein überteuerter, nett gestalteter Platz mitten in der Wüste, der uraltes Wasser aus den unteriridschen Kavernen verschwendet. Auf den kurzen Wegen am Fusse des Felsens trifft man laute und eher desinteressierte Gruppen, die auch nur hier sind um den Punkt „Uluru (Ayers Rock)“ auf ihrer „Muss man gesehen haben“-Checkliste abhacken zu können. Der Base Walk, der den Felsen umrundet wird nur mehr von wenigen Leuten gemacht, was für mich zwar nicht ganz verständlich ist, aber mich freute, das man hier seine Ruhe finden konnte. Insbesondere jetzt im Herbst, wo die Temperaturen niedrig sind ist es herrlich. Das gleiche gilt für die unweit liegenden Kata Tjuta (bekannt als die Olgas). Die Kata Tjuta sind nicht ein Felsen, sondern ein kleines „Gebirge“ mit runden „Gipfeln“. Beide Punkte, der Uluru und Kata Tjuta wirken bei Sonnenuntergang einfach herrlich fotogen, aber die meisten Menschen sehen nur den am Uluru, da sie ja nur einen Tag Zeit haben, sich den National Park anzuschauen.

Ein weiteres Highlight, nicht unweit von Uluru - Kata Tjuta National Park ist der Watarrka National Park mit Kings Canyon. Der Rim Walk um den Canyon bzw. entlang des Canyons gehört sicher zu den schönsten Wegen, die ich bisher in diesem Land gegangen bin. Die Sandstein Dome entlang des Canyon, die steil abfallende Wand, das Wasserloch am Grund des Canyons und die umgebende Pflanzenwelt haben mich wirklich in ihren Bann gezogen.

Entlang der West MacDonnell Ranges fuhr ich in „die Stadt“ des roten Zentrums, nach Alice Springs, kurz Alice. Der Begriff Stadt ist natürlich etwas übertrieben, aber als eine Ruhestätte und Versorgungsstation ist sie ideal. Und jetzt sitze ich hier in einem Bistro bei einem Eiskaffee und tippe endlos wirkenden Text - ja ich komme schon zum Schluss.

Ich plane entlang des Stuart Highways, den ich dann fast komplett entlang gefahren bin (bis auf das kurze Stück von der Abzweigung Richtung Uluru und Alice Springs), Richtung Darwin zu fahren, wo ich mich dann entscheiden muss, ob ich wie geplant weiter nach Westen fahre, oder doch die „Touristenstrecke“ nach Osten nehme. Irgendwann muss ich noch ein paar Tage Nichtstun unterbringen, was alleine aufgrund der äusseren Umstände bisher nicht möglich war.

Alice Springs, 26.05.2006 

Es ist ja schon eine Zeit her, dass ich mich meldete und es liegen viele Kilometer zwischen Alice und Exmouth, wo ich jetzt bin. Die Distanzen zwischen den interessanten Punkten machen oft Tage notwendig, wo ich nichts anderes tue als im Auto zu sitzen und zu warten, dass die noch zu fahrenenden Kilometer weniger werden. Die Landschaft ist auch eher eintönig (mit wenigen Ausnahmen) und nun erfahre ich Australien, was eine sehr fade Angelegenheit ist. Leider wirkt das ganze auch nicht richtig entspannend, da so wenig „weitergeht“, man aber andauernd unterwegs ist. Leider nimmt unter solchen Umständen auch die Konzentration beim Fahren drastisch ab und dies führte auch zu einem Unfall, bei dem ich das Auto in den Busch legte. Da mit dem Auto an ein Weiterfahren nicht zu denken war, bekam ich ein etwas kleineres (ebenfalls ein LandCruiser, aber ohne den Aufbau) zur Verfügung gestellt - und dies ist sogar ganz angenehm. Kleinere mechanische Probleme beim alten, wie auch beim neuen Auto verzögerten die Reise auch etwas und die geringe Hilfsbereitschaft der Australier macht es oft auch nicht einfacher voran zu kommen.

Nach Alice fuhr ich weiter Richtung Top End mit Zwischenstopp bei den Devil‘s Marbles - rundliche Felsen, die teilweise alleinstehend oder aufgehäuft auf einem kleinen Gebiet mitten im Nichts herumliegen. Bei Mataranka gibt es im Gebiet des Elsey Nationalparks heisse Quellen, die theoretisch zum Baden einladen - ich habe davon Abstand genommen, da eh schon genug Leute darin zu finden waren. Unweit davon sind die (so und so schöneren) Quellen von Bitter Springs, die nur von wenigen Leuten besucht werden.

Ab Katherine begann sich die Landschaft zu verändern und ich war im tropischen Top End des Kontinents angelangt. Dort wanderte ich einige der Wege im Nitmiluk NP und Litchfield NP, bevor ich nach Darwin fuhr. Bei diesen Nationalparks fällt der Wasserreichtum (im Vergleich zum ariden Zentrum) einem am stärksten auf. Die Pools, die zum Baden einladen sind wegen der Krokodilrisikos meistens gesperrt und dort wo es dann erlaubt ist findet man Menschenmassen an. Sollte man sich entschließen dort ins Wasser zu hüpfen braucht man sich vor der Sonne nicht mehr extra zu schützen, da man dann eh bestens eingeölt ist. Überhaupt fiel mir dort eine junge, urbane und äusserst stylische „Backpacker“-Szene auf, die mit MP3-Player bewaffnet, auf äusserst sprotlich getrimmt und jodelnd durch die Landschaft zieht - eine wirklich peinliche Erscheinung der „westlichen“ Zivilisation.

Von Darwin fuhr ich nach Jabiru in den Kakadu Nationalpark, der nicht unbedingt für seine Vögel, sondern für die Felsmalereien der Aboriginals berühmt ist. Aber auch die Wege durch das tropische Felsland machen den Nationalpark sehr sehenswert - alle Wege zu den zahlreichen kleinen Teichen (Billabongs) waren aber aus Sicherheitsgründen gesperrt.

Danach ging es in die östlichen Kimberleys mit Kununurra, Mirima Nationalpark, Wyndham und einem Helikopterflug über die Bungle Bungle Ranges, da der Fahrzeugvermieter die Fahrt in den Purnululu NP, welcher ein Teil des Gebirgszugs ist, nicht erlaubt. Am anderen Ende der Kimberleys kam ich dann nach Broome, welches hauptsächlich für den Cable Beach bekannt ist. Ein über 40 km langer Sandstrand ohne jeden Schattenspender - der richtige Platz um sich einen Sonnenbrand zu holen. Aber die Sonnenuntergänge sind herrlich und auch der Mondaufgang ist hier (manchmal) sehr spektakulär (leider bräuchte man um das auf Bild zu bekommen mehr Fotoausrüstung mit).

Nun es ging es flott Richtung Süd/West entlang des eher faden Eighty Miles Beach, via der Industriestadt Port Hedland nach Tom Price. Dort befindet sich der sehr spektakuläre und fantastische Karijini National Park. Die Schluchten sind einfach herrlich und die meisten Leute hüten sich weiter als zu den max. 100 Meter vom Parkplatz entfernten Lootouts zu marschieren. So begegnet man hier eher wenigen Leuten am Weg, leider sind die Wege auch dementsprechend schlecht in Stand gehalten und beschrieben. Und die wirklich interessanten Wege übersteigen meine Fähigkeiten leider bei weitem, da hier schon einiges an Klettererfahrung mitgebracht werden sollte (manche Passagen verlangen auch die Austrüstung für Abseiling).

Nun bin ich wieder an der Küste in Exmouth, wo der Cape Range NP und der Ningaloo Marine Park zu finden sind. Das ganze wird hier als riesen Spektakel vermarktet und die das grosse Highlight ist „Schwimmen mit Walhaien“, die per Flugzeug gesichtet werden und dann wird die Flotte an Touristenbooten ausgesandt, um ihre Fracht (=Touristen) vor den Fischen ins Wasser zu lassen, damit sich diese an dem armen Tier festhalten können. Ich persönlich kann mir schon vorstellen, dass dies sicher ein schönes Gefühl ist, aber die Art wie hier damit umgegangen wird entspricht nicht dem Weg, wie ich es halt gerne erleben würde. Und so ähnlich verhält es sich hier mit den Schnorcheltouren und zum Tauchen habe ich zu wenig Zeit mitgebracht. Also blieb ich im Cape Range NP und genoss die ganz nette Küstenlandschaft, die aber wegen des nicht vorhandenen Schattens auch nicht zu einem Badeaufenthalt einlädt - ausserdem ist das Schwimmen in der Gegend, wo die Korallenriffe bis an den Strand reichen auch mit dementsprechender Vorsicht verbunden.

Die letzten zwei Wochen werde ich nun entlang der Westküste nach Perth fahren und da mein Rückflug von Sydney weggeht, werde ich auch dort noch etwas Zeit verbringen.

Exmouth, 19.06.2006