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Kanada (Osten) 2014

Fotos: Kanada-2014 (aktualisiert am 09.09.2014 in Percé)

Da das Wetter nach der Ankunft in Toronto so schön war und ich (durch die Zeitumstellung?) etwas Kopfschmerzen hatte, nutzte ich noch den Nachmittag und nahm die  Fähre nach Toronto Island. Die Insel liegt im Ontario-See und ist in ein paar Minuten von der Stadt zu erreichen und eine Grünoase (fast) ohne Autos. Die frische Luft und die herrliche Aussicht auf die Skyline von Toronto sind ein ganz guter Start.

Meine zwei weiteren Tage in Toronto verbrachte ich damit durch Downtown zu gehen, beginnend mit dem CN-Tower, der bereits eine gute Aussicht von der normalen Observation-Plattform (346 m) bietet, aber vom Skypod (447 m) ist es noch besser, da die Fensterscheiben nicht so verschmiert sind. Toronto hat zwar außer den CN-Tower und das Rogers-Centre (ein großes Stadion neben dem CN-Tower), welches ich nur von außen sehen konnte, nicht viel offensichtliches zu bieten. Trotzdem hat die Stadt eine ganz angenehme Atmosphäre.

Die Casa Loma ist ein Schloß in Toronto, welches von einem später verarmten Multimillionär Anfang des 20. Jh. erbaut wurde und ist eine bunte Mischung aus kolonialer Architektur.

Von Toronto nahm Ich das Flugzeug nach Montréal, die durch den starken französischen Einfluss dominiert wird. Obwohl sie nicht die Hauptstadt der Provinz Québec ist befindet sich das Parlament hier (soll einer verstehen). Der faszinierendste Stadtteil ist Vieux-Montréal, die so genannte Altstadt, und hier die Kathedrale Basilique Notre-Dame de Montréal. Moderner Art sind der Aussichtsturm im olympischen Park (Spiele 1976), dem Tour-de-Montréal mit seiner geneigtem Form, der eigentlich dazu dient die Befestigungsseile des Stadiondachs zu halten, und dem Circuit Gilles Villeneuve, dem ich abgegangen bin (dauert halt ein wenig länger als mit mit einem Formel 1-Auto). Die Île Notre-Dame, die im Sankt-Lorenz-Strom liegt, ist aber nicht nur wegen der Grand Prix-Strecke sehenswert, sondern stellt mit der Île Saint-Lambert auch ein nettes Naherholungsgebiet dar (vergleichbar mit der Donauinsel).

Von Montréal ging es dann mit dem Auto nach Québec. Dort verließ mich mich das bisherige Wetterglück. Die Stadt ist noch französischer als Montréal und wird dominiert vom Château Frontenac, einem Luxus-Hotel am Sankt-Lorenz-Strom. Die Altstadt ist sehenswert, aber bei schlechtem Wetter ist es halt trotzdem nicht so prickelnd.

Die Wasserfälle im Parc de la Chute-Montmorency sind es dafür um so mehr (besonders bei Regen). Über den Fällen kann man über eine Hängebrücke gehen, was trotz des schlechten Wetters einen herrlichen Blick ermöglichte. Ich blieb in der Provinz Québec, die eine beachtliche Fläche von Kanada einnimmt, und fuhr nach Reviére-du-Loup. Von dort ging es mit einem Katamaran in den Sankt-Lorenz-Strom um einen Wal zu sehen. Ich hatte Glück und konnte (in einiger Entfernung) Belugas und einen Buckelwal sehen. Der Fluss ist hier bereits 20 km breit.

Hier beginnt es nun auch mit Englisch manchmal schwierig zu werden  denn in Québec ist die Autonomie manchmal so groß geschrieben, dass alles andere außer Französisch nicht mehr gesprochen wird. Eine Einlange andere Art gibt's beim Auto. Nach einigen Kilometern begann die Kontrolllampe für den Reifendruck zu leuchten, also bin ich in Québec zur Station des Autovermieters gefahren und dort fragte man mich nach der Type des Fahrzeugs und als sie Chevrolet Spark sahen, hörte ich die die Meldung: "as long as you do not see any problems with the tire, don't care about it - it happens regularly and you can drive without problems". Ich hoffe die wissen von was sie da reden. Na ja, das wars einmal fürs Erste - noch bin ich mir nicht ganz sicher in welche Richtung es weiter geht, aber auf die irgendeine oder andere andere Weise muss ich auf jeden Fall nach Toronto.

Riviére-du-Loup. 3. Sep. 2014

Nach Riviére-du-Loup habe ich den Sankt-Lorenz-Strom verlassen und bin Richtung New Brunswick gefahren. Bei Grand Falls konnte ich einen kleinen Wasserfall sehen, dessen Wassermassen im Frühjahr bekanntlich mit denen der Niagara Falls zu vergleichen sind. Bei Hartland, einer kleinen Siedlung am Saint John River, steht die längste "wooden cover bridge" Kanadas mit einer Länge von 391 Metern - ganz nett zum Anschauen und Durchfahren. Bei Fredericton befindet sich ein Freilichtmuseum namens Kings Landing Historic Settlement, welche sehr nett am Saint John River angelegt ist. In dem Dorf wird das Leben aus der Zeit des späten 18. Jh. bis zum späten 19. Jh. gezeigt - mit etwas zu viel Rollengespiele durch die die in jeder Hütte "lebenden" Darsteller - zumindest für meinen Geschmack.  

In Fredericton tauschte man mir auch das Auto aus, da dort ein Reifenschaden nicht als Kleinigkeit betrachtet wurde. Zwar habe ich jetzt statt einem Kleinwagen ein Mittelklasse-Fahrzeug (Chevi Cruze), aber es fühlt sich viel sicherer an :).

Bisher war ich (außer in Québec) mit schönem Wetter gesegnet, aber in der Bay of Fundy standen die Wolken tief, aber der Regen blieb zu meinem Glück aus. Das besonbdere an der Bay auf Fundy ist der Tidenhub zwischen den Gezeitenwechseln, der als ich dort war ca. 10 Meter ausmachte - der höchste gemessene liegt bei 21 Metern. Bei Ebbe kann man eine stark zerklüftete Küste bewundern  - wenn man den Strand entlang spaziert darf man nur nicht darauf vergessen, dass dann auch wieder die Flut kommt und der Strand auf dem man gerade geht dann einige Meter unter Wasser liegt.

Am darauf folgenden Tag bin ich zum Kouchibouguac National Park gefahren - bei blauem Himmel. Dort sind die unterschiedlichsten Landschaftsformen zu sehen - von Stränden, über Pinienwälder, Zedernwälder bis zu Salzwassermarschen und Lagunen. Die Zedernwälder habe ich nicht gesehen, da mich als ich aus dem Auto ausstieg die Moskitos dort zerstochen haben - war nur mehr auf der Flucht.

Bei Caraquet gibt es wieder ein Museumsdorf. Das Acadien Historical Village zeigt das Leben der Akadier vom 18. Jh. bis in die 30er-Jahre. Die Gebäude sind teilweise Nachbauten, aber manche wurden hier her verlegt. Die "Dorfbewohner" tragen die Kleidung der jeweiligen Zeit und zeigen den Alltag der der Akadier - nett erklärt und ohne "Rollenspiel". Hier im Kernland der Akadier wird fast kein Englisch mehr gesprochen - nur mehr Französisch - was das Reisen etwas anstrengend macht, wenn man wie ich keine Französisch spricht.

Wieder zurück in der Provinz Québec fuhr ich um die Halbinsel Gaspé, die in den Sankt Lorenz- Golf ragt. Die Halbinsel bietet eine nette Küstenlandschaft, die ihren Höhepunkt bei Percé und dem Forillon National Park finden. Zum Schwimmen war es etwas zu windig und damit auch zu kühl, aber sonst hätte es gepasst. Zwischen den aufragenden Klippen gibt es wieder Kieselstrände mit klarstem Wasser.  

Den Parc de la Gaspésie habe ich dann nicht mehr besucht, da eine Schlechtwetterfront aufzog, die mich seit dem verfolgt. Im Eiltempo bin ich quer durch die Provinz Québec zurück in die Provinz Ontario gefahren - endlich versteht man mich wieder :). Das Fahren war bei starkem Regen und sehr starkem Wind mit heftigen Windböen anstrengender als mir lieb war. Auch die fehlende Disziplin beim Autofahren, die hier vorherrscht, macht einem das Leben nicht gerade leichter. 

Überhaupt ist Ost-Kanada eine Region in der ich mich nicht so richtig wohl fühle (auch nicht wirklich unwohl). Zum einen frägt man sich immer wieder für was man viel Geld ausgibt, denn weder die Quartiere noch das Essen sind eigentlich ihr Geld wert. Alles ist auf den "Ersten Blick" ausgelegt, aber die Qualität hinkt meistens hinterher. Ich musste auch feststellen, dass dies hier niemanden stört - außer mich. Bei vielen Dingen komme ich mir vor wie in einem Schwellenland - allen voran wenn es um die Müllproduktion geht. In den Zimmern werden nur Wegwerfartikel zur Verfügung gestellt - Papier- und Kunststoffbecher, fertig verpackte Kaffees (Kaffee, Milchpulver, Zucker, Zuckerersatz, Staberl zum Umrühren, kleine Serviette), alles wird in Plastiksackerln verpackt - eine Wegwerfkultur die selbst in Ländern der dritten Welt nicht so ausgeprägt ist - die Produktion von Müll scheint mir hier ein Statussymbol zu sein. Die Leute hier sind freundlich und höflich - meistens zumindest - aber irgendwie merkt man oft wie künstlich es ist. Ich kann mich nicht erinnern, dass es im Westen des Landes so ein spürbares Desinterersse gegeben hätte - ok, ist schon über 10 Jahre her - aber vielleicht fehlen hier auch die großen Naturhighlights. Die meisten Gegenden durch die man hier fährt findet man auch in der Steiermark  (etwas kleiner, aber nicht so unterschiedlich, wenn man die Kiefern durch Fichten oder Tannen ersetzt) - außer die Küstengebiete natürlich ;). Es bedeutet nicht, dass es mir hier nicht gefällt - es ist schön hier - aber das Wohlgefühl will sich halt nicht einstellen - war wohl zu viel in Asien in den letzten Jahren.

Kingston, 12. Sep. 2014